Ganz
offensichtlich hat niemand wirklich die Fähigkeit, Lottozahlen
vorher zu sagen. Die Menschen, die behaupten, sie könnten die
Zukunft vorhersagen, haben unzählige Ausreden, warum sie genau
das zwar nicht können, aber ansonsten sehr wohl Vorahnungen
hätten, die sich auch bewahrheitet haben. Mitunter führen
sie sogar glaubhaft Zeugen an.
Das menschliche Gehirn, siehe
auch Gerhard Roth: „Aus
der Sicht des Gehirns” vermag sehr komplexe Funktionen
durchzuführen. Abgesehen von der Tatsache, daß wir
Ultrakurzzeit - , Kurzzeit -, und Langzeitgedächtnis haben (ein
Fakt, der zur Erklärung des Phänomens noch gebraucht wird),
gibt es noch einen zweiten Fakt, der recht unbekannt ist:
Vor
20 Jahren veröffentlichte ein Neurowissenschaftler Benjamin
Libet ein inzwischen klassisches Experiment zum bewußten
Willen. Er ließ seine Testpersonen auf eine Uhr mit einem
speziellen Sekundenzeiger, der alle 2.5 Sekunden einmal rund lief,
schauen, und gab ihnen einen Knopf zum drücken in die Hand, mit
dem dann die Reaktionszeiten gemessen werden sollten. Neu dabei war,
daß er seine Testkandidaten bei jedem Versuch fragte, wann
genau ein Ereignis „wahrgenommen” wurde. Sie sollten dann
sie Stellung des Zeigers genau nennen, als sie den Knopf dann
drückten.
Libet hat dann zusammen mit einem EEG die
Hirnaktivität in einzelnen Bereichen des Hirns mit seinem
Versuchsaufbau gekoppelt. Oben im Hirn gibt es eine Region, die aktiv
ist, wenn Muskeln bewegt werden. Bei seinen Testkandidaten stimmten
bei den EEG - Aufnahmen der Zeitpunkt der Registrierung der
Hirnaktivität bis auf wenige Millisenkunden genau mit der
Aktivität des Muskels, dem Daumen am Knopf, überein. Was
viel weniger gut überein stimmte, war die Zeitverzögerung
von Wille und Ausführung (Knopf drücken). Ausgehend von dem
Willen, irgendwann einen Knopf zu drücken (Registrierung im
EEG), bis zur tatsächlichen Ausführung (Knopf drücken),
vergingen mitunter bis zu 1.5 Sekunden. Libet interpretierte dies als
„mentale Vorbereitung”, die der Handlung offensichtlich
voraus ging.
Das Verblüffende dabei war, daß die
Testkandidaten jedesmal behaupteten, daß ausgehend vom ersten
„bewußtwerden”, daß eine Bewegung ausgeführt
werden soll, bis zum drücken des Knopfes, ca. 0.5 Sekunden
vergingen. Den Sekundenzeiger, der den Zeitpunkt des „Bewußtwerdens”
anzeigte, hatten die Testpersonen dauernd im Blick.
Die
Vorbereitung des Gehirns, eine Bewegung auszuführen, begann
also, anders gesagt, schon 0.5 Sekunden bevor die Testkandidaten
glaubten, sie hätten eine Bewegung ausgeführt.
Libet
machte ein weiteres Experiment, diesmal führte er eine Elektrode
(bei vollem Bewußtsein, nicht schmerzhaft) in das Gehirn eines
Testkandidaten ein, und zwar genau dort, wo laut EEG eine Aktivität
festzustellen war, nach einer Handberührung.
Zwischen
tatsächlicher Handberührung und Registrierung im EEG bei
periodischen Vorgängen lagen immer nur wenige Millisekunden.
Eine typische Reaktionszeit für Menschen auf körperliche
Reize.
Und nun gab er einen kleinen elektrischen Impuls im
Gehirn an derjenigen Stelle ab, die mit der Hand logisch gekoppelt
war, und bat den Testkandidaten wieder, genau zu sagen, wann er die
Handberührungen gespürt hatte (tatsächlich berührte
er die Hand nicht, es war nur der Reiz im Gehirn, der diese Täuschung
auslöste). Hierbei behauptete der Testkandidat steif und fest,
Libet habe die Hand berührt, jedoch 0.5 Sekunden, bevor er
tatsächlich den elektrischen Impuls im Gehirn absetzte.
Das
klingt nach Vorahnungen oder Hellseherei. Wie konnte der Teilnehmer
wissen, daß ein elektrischer Reiz im Hirn stattfinden würde,
bevor er tatsächlich stattfand?
Libets Experimente
wurden von ihm selber und weiteren, zahlreichen Forschern mit
verschiedensten Teilnehmern wiederholt, alle mit demselben Ergebnis.
Das Gehirn hat offensichtlich die Eigenschaft zum
„Rückdatieren” von Ereignissen.
Wenn
man sich vorstellt, daß die Signallaufzeit zwischen Hand und
Gehirn tatsächlich 0.5 Sekunden beträgt (das ist nicht
tatsächlich so), so versucht offensichtlich das Gehirn die
Vorstellung davon, wann eine Berührung stattgefunden habe,
zurück zu verlegen, in der Zeit, damit der Eindruck der
Gleichzeitigkeit wieder hergestellt ist.
Man muß hier
unterscheiden zwischen dem „bewußten” Willen, der
ca. 0.5 Sekunden vorher im Gehirn zu registieren ist, und der
tatsächlichen Laufzeit der Signale, die nur wenige Millisekunden
beträgt!
Der Testkandidat sollte ja nach dem Drücken
des Knopfes sagen, wann er den Reiz gespürt hat, virtuell, durch
elektrische Anregung der Hirnregion selber, oder durch tatsächliche
Berührung. Die Wahrnehmung des Zeitpunktes und dem willentlichen
Drücken des Knopfes ist ein bewußter Vorgang im Hirn.
In
den Testkandidaten hineinversetzt, kann man das so beschreiben:
Er
fühlt die Berührung der Hand, und das Gehirn registriert
sofort, daß diese stattfindet, weil die Signallaufzeit vom der
Hand ins Hirn sehr kurz ist, und erst, wenn es ihm bewußt
geworden ist, dann drückt er den Knopf. Das EEG registriert die
Berührung der Hand im Gehirn nach wenigen Millisekunden schon,
jedoch gibt es eine Verzögerung von 0.5 Sekunden, die
verstreichen, bis er den Knopf bewußt drückt,
Reaktionszeit genannt.
Wird jedoch die korrespondierende
Region im Hirn direkt angeregt, so wird diese Zeitverzögerung
des Bewußtwerdens, daß die Hand (angeblich) berührt
wurde, umgangen, und damit keine Verwirrung aufkommt, wird also die
übliche Zeitverzögerung des Bewußtwerdens mit
eingerechnet, sozusagen.
Das Gehirn muß also, damit die
Gleichzeitigkeit vom Fühlen der Berührung, also dem
Bewußtwerden und dem willentlichen Drücken des Knopfes,
wieder hergestellt ist, das Ereignis in der Zeit zurückschieben,
also gedanklich ca. 0.5 Sekunden rückdatieren.
Wir
selber nehmen es im täglichen Leben kaum wahr, weil wir uns
daran gewöhnt haben, es dauernd tun. Nicht umsonst wird die
Reaktionszeit zwischen Wahrnehmung eines Ereignisses und dem Drücken
des Bremspedals in der Fahrschule nicht unter 0.3 Sekunden angegeben,
wie man selber auch mit einer Stoppuhr testen kann. Tatsächlich
jedoch haben wir selber das Gefühl, viel schneller reagiert zu
haben.
Besonders auffällig wird es, wenn man das
Jonglieren gerade erst erlernt. Ich sehe, wo der Ball ist, und mein
Wille bewegt die Hand genau dorthin, wo der Ball ist. Nur - leider
ist er 0.3-0.5 Sekunden später wo ganz anders, und er fällt
auf den Boden, wir greifen ins Leere. Typische
Anfängerschwierigkeiten in der Motorik, würde man sagen -
nein. Es ist die Zeitverzögerung von 0.5 Sekunden zwischen dem
Sehen der Position des Balles in der Luft, und dem willentlichen
Zugreifen an eine exakte Position (in der Luft). Der Ball ist dann
schon wo ganz anders, nämlich wieder auf dem Boden gelandet.
Wer's nicht glaubt, der gebe einer anderen Person, die nicht
jonglieren kann, 3 Bälle in die Hand und beobachte, daß
die Person anfangs nur ins Leere greift und dauernd alle Bälle
am Boden liegen - zum schieflachen.
Mensch muß beim
Jonglieren erst lernen, Bewegungen vorherzuahnen, und dann dorthin zu
greifen, wo der Ball 0.5 Sekunden später sein wird, nachdem man
seine Position bewußt wahrgenommen hat, was recht schwierig
ist, weil man ja die ballistische Flugbahn genau abschätzen
können muß.
Der Aufbau des Willens von der
Wahrnehmung mit den Sinnen, bis hin zur bewußten Entscheidung
und Ausführung einer kontrollierten Bewegung dauert also ca.
0.3-0.5 Sekunden.
Was hat Libets Experiment nun mit
Vorahnungen zu tun ?
Das Gehirn denkt hochgradig parallel
viele Dinge gleichzeitig, und zwar in den verschiedensten
Hirnregionen (Ultrakurzzeit -, Kurzzeit, - Langzeit Gedächtnis).
Angenommen, ich habe für einen Bruchteil einer Sekunde beim
Busfahren die träumerische Vorstellung, meine Schwiegermutter in
einem Sarg am Straßenrand gesehen zu haben, quasi eine Vision,
zugegeben ein Klicheé. Dieses Bild wird jedoch nicht im
Bewußtsein verarbeitet, sondern verbleibt unbewußt im
Kurzzeitgehirn. Ich weiß im ersten Moment garnicht, daß
ich so etwas gedacht habe, weil - das würde ja einen bewußten
Denkvorgang erfordern. Tatsächlich schwirren und tausende
Gedanken täglich durch den Kopf, die wir meist vergessen, wenn
wir sie nicht aufschreiben.
Weiter angenommen, diese träumerische
Vision habe im Kurzzeitgedächtnis stattgefunden, wo sie dann
solange gespeichert bleibt, bis sie nach 3 Tagen gewöhnlich
gelöscht wird, wenn diese Information nicht mehr gebraucht wird.
(Das ist der Grund, warum Gedächtniskünstler nicht
wahnsinnig werden)
Und nun tritt folgendes Ereignis ein. Die
Schwiegermutter stirbt tatsächlich. In genau diesem Moment
erinnere ich mich an das Bild der Schwiegermutter im Sarg, und bin
fürchterlich erschrocken darüber, weil - solche
Vorstellungen entspringen völlig natürlichen Grundängsten,
die jeder so mit sich herum schleppt. Mir wird erst in diesem
Augenblick bewußt, daß ich ja genau den Tod vorhergesehen
habe, beim Busfahren, und die Schwiegermutter in einem Sarg am
Straßenrand ja „real”, „wirklich”,
„wahrhaftig” gesehen „habe”, angeblich.
Wäre
sie nicht gestorben, so hätte mein Kurzzeitgedächtnis diese
fixe Idee und das zugehörige Phantasiebild wieder gelöscht.
Da das Bild aber im Kurzzeitgedächnis gespeichert war, und
die Schwiegermutter ja tatsächlich gestorben ist, bevor mein
Kurzzeitgedächtnis es wieder gelöscht hat, wird mir nun die
gespeicherte Phantasievorstellung schlagartig bewußt.
Und
nun habe ich die Vorstellung, ich könne die Zukunft vorhersehen
- ein Gedanke, der vielen Menschen, die solche Visionen hatten und
noch haben, und mit denen ich mich darüber unterhalten habe,
viel Angst bereitet hat.
Was vielen nicht bewußt ist,
ist die Tatsache, daß das Ereignis, genauer das Bewußtsein
darüber (ähnlich Libets Experiment) „rückdatiert”
wird. Die Vision beim Busfahren war nämlich kein bewußter
Denkvorgang, sondern nur ein kurzer Moment eines Gedankens, ein
unwichtiges Phantasiebild, welches dann im Nachhinein als bewußte
und tatsächliche Vorahnung, sprich „Hellseherei”
interpretiert wird. Diesem Phantasiebild wird also rückblickend
eine ungeheure Bedeutung zugemessen, weil sich ja angeblich die
Vision „bewahrheitet” hat.
Der Spruch „Nachher
ist man immer schlauer!” kommt nicht von ungefähr, und er
beschreibt im Grunde genau dieses Phänomen.
Hätte
der Tod dann in den folgenden Tagen nicht stattgefunden, hätte
das Gehirn diese Phantasievorstellung einfach wieder gelöscht.
Wenn sie sich jedoch bewahrheitet, so brennt sich die Vorstellung
davon, daß wir hellsehen können, dauerhaft in das
Langzeitgedächtnis ein. Und wir laufen von nun an mit der
Vorstellung durch die Welt, wir könnten hellsehen.
Wie
kommen wir nun auf die Idee, wir hätten besondere,
hellseherische Fähigkeiten? Nach einem solchen Ereignis mit der
„Vorhersage” des Todes der Schiegermutter, z.B., passiert
in der folgenden Zeit etwas typisches. Wir halten Ausschau nach
solchen „Visionen”. Und hierbei passiert dann im Hirn
folgendes: Wir durchdenken hochgradig parallel täglich tausende
Möglichkeiten, was alles passieren kann. Hauptmotivator sind
dabei eigentlich Grundängste im Leben, wie z.B. Angst vor Tod,
Verletzung, Verlust einer Person, Streit.
Hierzu siehe auch
das Buch: „Grundformen der Angst, Riemann” oder
http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/EMOTION/Riemann.shtml
Wenigen Menschen bewußt ist die Leistungsfähigkeit
unseres Gehirns, minütlich tausende von solchen Phantasiebildern
(oder Filmchen) generieren (Kognition) und speichern zu können.
Durch ein solches, visionäres Ereignis einmal angeregt,
generiert unser Hirn nun in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten,
zigtausende von unbewußten Visionen, Bildern,
Handlungsabläufen, die zumeist Angstbilder darstellen.
Bewahrheiten sich nun diese tausenden von Visionen nicht,
vergessen wir sie, aber tritt eine einzige, solche Vision jedoch
tatsächlich ein, dann erst dringt dieses zuvor im
Unterbewußtsein gedachte Ereignis in unser Bewußtsein,
und schon haben wir wieder die Bestätigung, daß wir
hellsehen können. Und das wird natürlich prompt im
Langzeitgedächnis abgelegt. Selektive Wahrnehmung der
Ereignisse, ein Mechanismus, den wir gerne auch bewußt
verwenden, um unangenehme Dinge zu verdrängen.
Und von
nun an haben wir immer häufiger die Bestätigung, daß
wir „hellsehen”
könnten, und - davon motiviert - entwickeln wir eine
unglaubliche Phantasie. Mensch fängt an, seine überflüssigen
Hirnkapazitäten, die wir nun einmal haben, den Denktrieb, der
uns von den Tieren ja unterscheidet, für die Entwicklung von
Visionen zu verwenden. Millionen Bilder werden abgelegt, großenteils
vergessen, aber die Zahl von Bildern, die sich dann tatsächlich
„bewahrheiten”, steigt immens an, weil - wenn viele
solcher Vorstellungen über zukünftige Ereignisse im Hirn
existieren, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit ein solches sich
ja auch „bewahrheiten”.
Und schon glauben wir,
daß wir wirklich hellsehen, wahrsagen können, und es wird
uns auch immer bewußter, daß wir solche Fähigkeiten
(vermeintlich) haben. Ich habe viele solcher Personen getroffen, die
von sich meinen, solche Fähigkeiten zu haben. Keine einzige hat
wirklich irgendeinen Test, der beweisen könnte, daß sie
wirklich hellsehen kann, bestanden, oder auch nur annähernd bei
den Lottozahlen richtig gelegen. (Die Lottogesellschaften wären
sofort Pleite, wenn es nur einen Menschen mit hellseherischen
Fähigkeiten geben würde, der gerade mal wieder Geld braucht
– was dem entgegensteht, daß millionen Menschen
„glauben”,
daß sie hellsehen könnten!)
Aus Unverständnis der
Funktionsweise des Gehirns heraus, und aus der bei Frauen verstärkten
Neigung, die auch zu kommunizieren (=sich bewußt machen),
glauben erheblich mehr Frauen daran, daß sie solche Vorahnungen
haben, als Männer, deren Tendenz, Gedanken und Gefühle zu
unterdrücken und in Bier zu ertränken, doch etwas
ausgeprägter ist. Männer glauben viel weniger an ihre
hellseherischen Fähigkeiten, als Frauen.
Aberglaube jeder
Art, jede Art von Mystik, Glaube an Übersinnliches, Glaube an
Hellseherei, Glaube an Schicksal, Glaube an Astrologie, Horoskope,
Glaube an Vorbestimmtheit des Lebens, und letztenendes auch der
Glaube an Gott hat seinen Ursprung in der Funktionsweise des
menschlichen Gehirns, die ich beschrieb.
Nicht wenige Menschen
fangen aufgrund diesen von sich geglaubten Fähigkeiten an,
Esoterik- (Para-/Meta-/Astro-/...) Bücher zu lesen, irgendwo
eine Erklärung, eine Bestätigung für diese Phänomene
zu finden, und sich mit anderen Menschen, die ähnliche
Erfahrungen gemacht haben, auszutauschen. Man könnte es auch als
„kollektive
Wahrnehmungsstörung” bezeichnen. Dieser Markt an
Esoterikbüchern hat inzwischen gigantische Dimensionen erreicht,
in Buchhandlungen werden ganze Bereiche der esoterischen Literatur
gewidmet, ein Boom.
Allen „Gläubigen”
gemeinsam ist, daß sie einer - mehr oder weniger großen -
Illusion aufgesessen sind. Kaum jemand hat jedoch verstanden, warum
er/sie an solche Phänomene glaubt, wie sie zustande kommen. Die
gegenseitige, intersubjektive Bestätigung der angeblichen
Existenz von Vorahnungen, Visionen, „außersinnliche
Wahrnehmung” erhärtet den Glaube an Übersinnliches,
Schicksal, Gott. Und wer einmal zurückblickt, in seinem Leben,
der wird sicher den Ursprung finden, an welchem er angefangen hat, zu
glauben, daß da „mehr
sei zwischen Himmel und Erde, als wir verstehen können”.
Und nun wissen wir, warum. Zumindest, was dieses Phänomen
begrifft.
Immanuel Kant hat einmal gesagt: „Bevor Du dich
auf ein Gedankengebäude einläßt, prüfe, ob das
Fundament sicher und stimmig ist!” Ist man erst einmal dem
Glauben verfallen, so ist ein Zurück kaum mehr möglich,
weil man dann in der Folge seine Erfahrungen an diesem
Gedankengebäude misst, und dem obigen Phänomen gleich,
beginnt, nach Bestätigungen für seine Visionen, Ideen,
Ahnungen, Phantasien zu suchen.
Religionen bzw.
Glaubensgebäude werden „konstruiert” von Menschen,
die diese Mechanismen durchschaut haben. Man beachte, daß die
Entdeckung, daß es viele, wahre Aussagen in der
Bibel gibt, die die psychologischen Eigenschaften von uns Menschen
treffend beschreiben, eine Sache ist, jedoch daß es eine
einzige Ursache dafür gibt, nämlich Gott – dies ist
eine Erfindung. Die Entdeckung einer oder mehrerer
„wahren
Aussagen” in einem Text oder Gedankengebäude ist eine
Erkenntnis – die Erklärungen dafür, die dort
angegeben werden - oft nur eine Erfindung.
Man betrachte die
unzähligen Varianten des Glaubens in Asien (...Buddhismus), die
verschiedenen extremen Varianten des „christlichen Glaubens”
hier, oder anderen Glaubens sonstwo. Allen gemeinsam ist, daß
Menschen, die verunsichert sind - was jeder von uns schon mal ist -
mit scheinbaren Bestätigungen für die Existenz,
„Wahrhaftigkeit” von etwas, gelockt werden,
verführt werden, zum Glauben. Kritische, dialektische
Hinterfragung findet nicht statt. Verunsicherte Menschen stecken
meist in einer Lebenskrise, die andere gnadenlos ausnutzen,
Mitmenschen glaubend zu machen. Zunächst liebevoll in einer
Gemeinde aufgenommen, dann aber, wenn der Glaube nicht angenommen
wird, hart sanktioniert, und man ist wieder isoliert. Die meisten
Menschen geben dann in ihrer Verunsicherung nach, und fangen an, zu
glauben. Freier Glaube, den mag es auch geben, leider immer weniger.
Glaube findet sich auch bei unternehmerischen Entscheidungen.
Der Anteil dessen, was „optimistischerweise” gerne
angenommen wird, um z.B. eine Marketingstrategie (hier ist es
besonders willkürlich) zu „begründen”, grenzt
manchmal schon sehr an Glaube. Hierzu sei die Lektüre von Gerald
Zaltmann „HOW CUSTOMERS THINK” empfohlen. Glaube an
Reichtum ist auch Hauptmotivator für diese neuen
Network-Marketing Produkte, wie z.B. ALOE. Inzwischen kann man es bei
LIDL, sogar in Joghurt enthalten, kaufen, und direkt daneben stehen
dann ALOE Pflanzen, diese, die auch in Arizona wachsen.
“Wir
geben den Dingen ihre Bedeutung!” - zeitlich rückwärts,
also gedankich in die Vergangenheit versetzt - nach vorne schauend -
geben wir uns der Illusion ihn, wir könnten tatsächlich
nach „vorne” schauen. Tatsache ist, nur dann, wenn wir in
einer Welt leben, die stabile Regelwerke hat, können wir mit
hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, was wir morgen tun werden,
tatsächlich aber kann niemand in die Zukunft schauen. Vernunft –
ist Handeln oder Denken basierend auf Erfahrungen, also Regelwerken,
die in der Vergangenheit sich als richtig oder erfolgreich erwiesen
haben. In einer Zeit des Umbruches, wo sich Regelwerke der Systeme
(Gesellschaft, Arbeitsmarkt, Ein/Verkauf, Informationsbeschaffung
über Internet) geändert haben, ist es immer schwieriger,
einzuschätzen, welche Regelwerke überholt sind, welche noch
gültig....
Gerhard Roth
hat in seinem Buch eindrucksvoll, sachlich und leicht verständlich
die Funktionsweise des Gehirns beschrieben, welches ich für sehr
lesenswert halte.
Wer mag, kann sich auch von den
hellseherischen Fähigkeiten des Computers überzeugen
lassen:
http://www.little-idiot.de/hellseher/
oder /gottexistiert/ oder /memetik/ oder /astrologie/ ...
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verwenden, Netscape/Mozilla funktioniert noch nicht)
Mit
freundlichen Grüßen, Guido
Stepken
Dieser Artikel
unterliegt der GPL (GNU Public License), darf also unverändert
so überall in jeglicher Form weiter verbreitet werden.
Quelle:
http://www.little-idiot.de/hellseher/hellsehen.pdf
oder /hellsehen.html