14. Steven Reiss 16 Lebensmotive

Der Psychologe Dr. Steven Reiss deckte auf, dass so gut wie alles, was wir tun, auf 16 grundlegende Lebensmotive zurückgeführt werden kann. Mehrere dieser Motive bilden, mehr oder weniger stärker gewichtet, die Triebfeder im Leben. Steven Reiss Zusammenstellung ist über viele Jahre rein empirisch ermittelt worden.

Diese folgenden Aspekte entscheiden darüber, ob und wie ein Mitarbeiter dauerhaft in ein Team eingebunden werden kann, ob er in ein Team passt, und ob sich evtl. dynamische Wechselwirkungen ergeben, wo sich zwei Menschen gegenseitig beginnen, zu "mobben", und wobei auch die Stimmung in einem ganzen Team plötzlich "umkippen" kann, wenn diese Probleme nicht direkt angesprochen und gelöst werden (Prinzip Agonalität, "Stutenbissigkeit").

Die Auswertung mehrerer 100.000 Einzelaussagen, ohne konkrete, möglicherweise suggestiv wirkende Fragestellung, ergab folgende Aufstellung (ohne Wertung in der Reihenfolge):

Der Begriff "Motivation", "Motiv" leitet sich aus dem lat. "motivare" ab, "von innen heraus bewegen". Neuere Forschungen der Biochemie haben ergeben, daß wir Menschen stets darauf bedacht sind, das Glücksgefühl im Leben (kurz- oder langfristiger) zu maximieren. Hierzu hat jeder Mensch sein eigenes "Belohnungssystem", welches, biochemisch betrachtet, den Pegel an Endorphinen, Dopaminen, ... im Blut hoch hält. Mehr hierzu siehe auch das Buch von Josef Zehentbauer, Körpereigene Drogen

Belohnungssysteme gibt es sehr viele:

Neben den direkten Belohnungsystemen gibt es noch indirekte, wie insbesondere die "Zugehörigkeit" zu einer bestimmten "Klasse", was verbunden mit entsprechenden Privilegien und Luxus, Prestige, Image eine Art Dauerbelohnung darstellt. Der Stolz, zu einer bestimmten (privilegierten) Gruppe zu gehören, (Zugehörigkeit zur "upper class", siehe Tennis früher, heute Golf, aber auch Sippenzugehörigkeit) verschafft ein gutes Gefühl, ist also auch geeignet, den Pegel an Endorphinen zu steigern. Nicht umsonst verkaufen sich Käseblättchen wie warme Semmeln und deren Leser geben sich gerne dem Gefühl hin, "ihren Prommi" persönlich zu kennen, zur "upper class" zu gehören.

Im handwerklichen/beruflichen Bereich resultiert aus der Erziehung, daß Menschen besonders viel Befriedigung empfinden, wenn sie eine Arbeit gut, genau, pünktlich, oder sogar mit viel Sinn für die Details übererfüllt haben. In dieser Tradition in der Erziehung steht das deutsche Handwerk. Viele, kleine Details, die zeitaufwändig sind, wie z.B. das Entgraten von Bohrlöchern, damit sich niemand daran schneidet, machen den Ruf deutscher Handarbeit in der Welt aus: "Made in Germany". Ein deutscher Handwerker ist sich und seiner Arbeit etwas wert, empfindet Stolz, innere Befriedigung. Läßt man ein handwerkliches Produkt im Ausland herstellen, so ist es oft unmöglich, diesen Menschen den Sinn für Details zu vermitteln. Auch mit aufwändiger Qualitätsicherung und monetärem Belohnungsystem ist es vielen Firmen nicht gelungen, Produkte ähnlicher Qualität im Ausland zu produzieren.

Weniger bekannt ist der religiöse Hintergrund der handwerklichen Tradition: "Gott sieht alles!", "Vor Gott nicht mißliebig sein!" mahnt zu Qualität. Gekrönt wird die Handwerksausbildung mit der rituellen Aufnahme in die Innung, die auch heute noch mit einem Kirchgang und großzügiger Spende an die Kirche verbunden ist. Beruf kommt von "Berufung", von "Gott berufen". Es ist eine Geisteshaltung, eine innere Einstellung, ein Belohnungssystem, welches im Rahmen der religösen Tradition anerzogen wurde.

Erziehung der Kinder z.B. zum Neid auf materielle Güter ist eine von vielen Eltern angewandte Methode, welche den späteren Ehrgeiz wecken soll, einen guten Beruf zu erlernen, sich was leisten und gönnen zu können. Betrachtet man die 16 Grundmotivationen von Steven Reiss in diesem Zusammenhang ist klar, welche Art der Erziehung man selber genossen hat, und welche Folgen dies auf die Berufswahl und die Art der Berufsausübung (angestellt, selbstständig) hatte.

In Firmen gibt es verschiedenste Belohnungssysteme, sie machen einen Teil der Unternehmenskultur aus. Natürlich reagiert nicht jeder Mitarbeiter auf dieselben Belohnungssysteme. Mancher drängt sich gerne in den Vordergrund, sucht seine Belohnung in der öffentlichen Anerkennung seiner Leistungen, ein anderer Mitarbeiter ist eher ein Blümchen, welches im Verborgenen blüht, qualitativ hochwertige Arbeit leistet, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Dienstwagen, Sachleistungen, Sonderzulagen, leistungsabhängige Entlohnung sind Anreizsysteme der monetären Art, auf die nicht jeder Mitarbeiter gleich reagiert. Die schon in der Erziehung beginnende Vermittlung des Selbstwertgefühls entscheidet über die Identitätsaufwertung/erhöhung, die jemand für sein persönliches Glücksempfinden benötigt.