4.2. Distributionen

Nicht nur als Anwender steht man vor der Frage: "Welche Distribution nehme ich am besten?", sondern auch als erfahrener Administrator. Hierzu schauen wir uns nun die individuellen Strategien der einzelnen Distributoren an, Stand Dezember 2004:

4.2.1. Novell LinuxTM (ehemals SuSE)

Vorteile:

Nachteile:

4.2.2. RedHat Linux (Fedora3, CentOS)

Die Firma Redhat hat inzwischen die Entwicklung ihrer Distribution wieder in die Hände der Linux - Community gegeben, aus Kostengründen. 300.000 Entwickler/Hacker (soviele haben geschätzt schon mit an Linux "herumprogrammiert"), und ein paar Handvoll Kernel - Entwickler bewegen mit viel Enthusiasmus, Kreativität und Aufopferung ihrer Freizeit aus Leidenschaft halt mehr, als eine Heerschar von hochbezahlten Spezialisten. Man kann dies sehr gut auf der Kernel - Mailing - Liste unter www.lkml.org mitverfolgen. Die herausragende Dokumentation, siehe Kapitel 3 von Linux und der relativ "saubere" und wartbare, modulare Code macht es möglich, daß sich C-Programmierer innerhalb weniger Monate einarbeiten. Ebenso, wie Redhat nur noch die freie, unter GNU Lizenz vollständig stehende Distribution Fedora als Basis für Redhat WS und Redhat Enterpreise Server verwendet, so bietet die Community cAos mit ihrer Distribution "CentOS" einen kostenlosen Clone von Redhat Enterprise Linux 2.1/3.0/3.3 an. Dies bedeutet für Entscheider, daß sie nicht den kostenpflichtigen, teuren, zertifizierten RedHat ES 2.1/3.0 samt Wartungsvertrag "kaufen" müssen, sondern sie ihn sich einfach hier downloaden und installieren: http://www.centos.org/download/mirrors/. Updates erhält man wieder auf dem RedHat FTP-Server: ftp://ftp.redhat.com/pub/redhat/linux/updates/enterprise/. Die Firmenphilosophie von Redhat ist vollständige Transparenz des Entwicklungsprozesses, sichtbar bei Fedora, vollständige Offenlegung der Quellcodes, Binaries (insbesondere des RPM-Formates), ISO-Files im Internet, Support für Cross-Compilierung und Portierung auf Embedded Systeme, siehe: http://sources.redhat.com/ecos/ auf anderen Prozessoren und Plattformen, samt Installationsprogramm (Anaconda) und einem soliden Fehler/Bug - Management, namens Bugzilla: http://bugzilla.redhat.com/bugzilla/, der es der Linux - Community ermöglicht, genau mitzuverfolgen, welche Fehler existieren und wo, bzw. Support über diese Foren zu erhalten. Dies alles macht Redhat zu einer Basisplattform, auf welcher spezialisierte Linux Distributionen aufsetzen, wie z.B. IPCop für Firewalls, Mandrake, u.s.w. Mehr hierzu siehe Kapitel 5. Die Konfiguration und Administrations - GUI ist übrigends bei Redhat in Python für GTK+ unter GNU Lizenz programmiert. Redhat betreibt keine Geheimnistuerei um die Inhalte der "Redhat Enterprise Linux" Editon, jede Software kommerzieller Anbieter läuft immer auch unter der normalen Redhat Distribution 8.0/9.0 bzw. Fedora. Redhat vertreibt z.B. unter dem Namen "Interchange" eine SHOP/Mallsoftware für das Internet, siehe Minivend/Interchange Shop. Diese in Perl programmierte Shop-Software ist (vermutlich) noch vor Intershop international absoluter Marktführer. Der Anschluß an Warenwirtschaftssysteme, wie SAP/R2 SAP/R3 oder auch MicrosoftTM Navision ist möglich, die PERL Module bieten Anschlußmöglichkeiten an alle Datenbanken. Auch eine veraltete PostgreSQL 7.2.3 Datenbank hat RedHat unter dem Namen "Redhat Database" im Programm. Wer für Software bezahlen will, darf bezahlen ;-) Und wenn man sich überlegt, daß Intershop ebenfalls in PERL programmiert ist, kommt man ins Grübeln. Das "up2date" Werkzeug rechts unten in der Ecke von Redhat Linux war ein einfacher Weg, die Distribution zu aktualisieren. Man mußte sich nur registrieren lassen, und erhielt alle Updates per Knopfdruck eingespielt. Nachteil: Nach 1. Jahr ist der Support abgelaufen, man muß ihn kostenpflichtig erneuern. Die auch bei SuSE Linux bewährte Möglichkeit, das von Debian stammende "APT" Toolkit zu installieren, um kostenlose updates zu erhalten, bewährte sich auch bei Redhat und ist in den deutschen Foren für Fedora Linux dokumentiert: Fedora Forum. MicrosoftTM plant, Updates nur noch an zahlende Kunden herauszugeben .... Dieses Business Modell jedenfalls ist sowohl bei SuSE und Redhat gescheitert, bevor es wirklich begonnen hat(te).

4.2.3. Debian Linux (Ubuntu, Knoppix)

Debian Linux ist mit dem Anspruch geschaffen worden, "die" GNU Distribution überhaupt zu sein - portiert auf alle Plattformen und Prozessoren, freie Quellcodes, Pflege der Softwarepakete durch über 1000 sog. "Maintainer", Paket - Betreuer, die nicht mit den Programmierern identisch sind. Komplette Dokumentation, wie z.B. das Debian Anwender Handbuch helfen bei Installation und Wartung. Das, was die Debian Distribution auszeichnet, ist das Paketformat. So weiß jedes Paket, von welchen anderen Paketen dieses abhängig ist, weil Debian eine spezielles Datenbankformat der Abhängigkeiten der Pakete, der Libraries untereinander geschaffen hat. So kann man recht einfach mit den Kommandos "# apt-get update; apt-get upgrade" bzw. "apt-get dist-upgrade" alle Updates und Sicherheitskorrekturen einspielen, sondern auch mit "apt-get install kde" eine ganze Benutzeroberfläche, bestehend aus hunderten Paketen und Abhängigkeiten installieren, und mit "apt-get remove kde" wieder entfernen. Mit "apt-cache search ... " kann man erfragen, welches Paket welche Software und benötigte Library enthält. Natürlich gibt es hierfür eine GUI: Synaptic.

Die Vielzahl der Libraries und ihre Abhängigkeiten (/lib/lib...so, /usr/lib/...) sind recht schwierig in den Griff zu bekommen, weil sogar zyklische Abhängigkeiten existieren. Für genau diesen Zweck wurden für die Gemeinde der über 1000 Maintainer, die sich durchschnittlich um ca. je 10 Pakete kümmern, Helferprogramme geschaffen, die genau diese Probleme für alle Linux Architekturen lösen: debhelper. Mehr hierzu siehe Anleitung für zukünftige DEBIAN Maintainer. Diese Anleitung ist allerdings nicht nur für Maintainer, sondern vielmehr auch für kommerzielle Hersteller von Software, die ihre Linux Software für Knoppix, Ubuntu, Kanotix oder Debian anbieten wollen.

Debian besitzt ein einfaches Konzept: Auch ältere Distributionen können stufenlos auf den neuesten Stand gebracht werden, entweder via CD/DVD oder direkt online via Internet. Würde ein kommerzieller Hersteller ein solches Paketformat mit einem solchen Service anbieten - er wäre bald pleite. Die Debian Distribution findet sich weltweit verteilt auf hunderten von Servern wieder, zumeist auf universitären Servern. Wer finanziert den Traffic für den kostenlosen, freien Download? Zum größten Teil die Regierungen indirekt über die Universitäten und deren FTP - Server, siehe: Debian Mirrors, zahlreiche "Forschungsprojekte", Diplomarbeiten, u.s.w. Wer Support für Debian Distribution sucht, findet zigtausende Studenten, die sich alle mit dieser Distribution auskennen.

Debian besitzt drei verschiedene Level der Software - Updates: "stable", "unstable", "testing", zu konfigurieren in "/etc/apt/apt.conf". Wer "stable" verwendet, braucht sich nicht wundern, wenn nur ältere Softwarepakete installiert werden (1 Jahr). Dafür liefert die Debian Community aber beste Arbeit ab. Alles läuft, fehlerfrei und sogar die aktuellen Sicherheitskorrekturen sind kostenlos und sehr schnell verfügbar. Eine sehr fleißige und kompentente Community! Unter "stable" bekommt man auch alle kommerzielle Software lauffähig installiert. Zur Konvertierung der Softwarepakete von und nach RPM/DEB/TAR/.Z ... steht notfalls der Konverter "alien" zur Verfügung. Der Level "unstable" installiert zwar die neueste Software, jedoch gibt es ab und an Probleme mit Paketanhängigkeiten, die nur von erfahrenen Administratoren zu lösen sind. Der Level "testing" ist nur Entwicklern vorbehalten, die sich im Quellcode der Pakete auskennen.

Man kann in Linux einzelne Pakete von Updates ausnehmen, und auf bestimmte Versionsnummern "limitieren". Hat man z.B. versehentlich eine neue Betaversion eines Softwarepaketes installiert, und man möchte "downgraden", so hilft nur eines "löschen", limitieren, neu installieren. Das APT - Toolkit kann sogar die Konfigurationsdateien in /etc/ in neue Formate "umschreiben", wie man beim Umstieg von Apache 1.3 auf 2.0 feststellen kann.

Debian glänzt mit einer schieren Fülle von Softwarepakten, sortiert nach "stable", "unstable", "testing" (Damit der User weiß, was läuft, und was nicht ordentlich läuft ... andere Distributoren werben mit tausenden Paketen, die alle nicht laufen...), kompletten Groupware Pakten, die man in anderen Distributionen mit viel Konfigurationsarbeit nachinstallieren muß. Das einfache Kommando "apt-cache search groupware" zeigt eine Fülle von frei verfügbaren Groupware-Paketen an, die einfach z.B. über "apt-get install egroupware" aus dem Internet angeflogen kommen, und sich selber installieren. Bei Inkonsistenzen oder Problemen bei Libraries hilft "apt-cache unmet" weiter.

Debian enthält auch komplette Anleitungen für Installation, Bedienung, siehe Debian Online - Handbücher Für Systemadministratoren, die Server im Internet aufsetzen, sei insbesondere folgendes Handbuch empfohlen: Anleitung zum Absichern von Debian.

Knoppix wurde zuerst von Klaus Knopper entwickelt, siehe Knopper.net. Er portierte die Hardware - Erkennung aus der RedHat Distribution "kudzu" auf Debian Linux und setzte so den Grundstein für eine Live - CD, die alle Hardware beim Booten von selber erkennt. Die Festplatte wird dabei nicht verändert, man kann aber, wenn man will, durch "mount" auf diese zugreifen, auch auf NT-Partitionen! Auf Wunsch kann Knoppix (im Gegensatz zu den SuSE Linux Live CD's) mit dem Kommando: "knx-install" auf Festplatte installiert werden (Achtung, Partitionen werden überschrieben). Schneller kann man Linux nicht mehr installieren. Knoppix übernimmt in bestehenden Netzwerken alle Netzwerk-Konfiguration von DHCP und auch von Zuhause aus kann man einfach und schnell einen Internet-Zugang über ISDN oder DSL einrichten. Nach Installation auf der Festplatte verhält sich Knoppix wie Debian Linux. Mehr hierzu siehe Anleitung zur Knoppix-CD.

Weniger bekannt ist, daß Knoppix serienmäßig auch Terminal Server für X-Windows Terminals ist, die z.B. via Netzwerkkarte, Floppy oder CD booten können. Es gibt zahlreiche freie X-Server (=Client, unter X-Windows ist die Bezeichnung umgekehrt) für Windows Workstations, z.B. hier: www.cygwin.com. Da das Protokoll nicht für niedrige Bandbreiten (Handy GPRS, UMTS) geeignet ist, steht unter Knoppix auch ein weiteres Protokoll zur Verfügung, mit welchem die Übertragung ähnlich effizient ist, wie mit Citrix Metaframe: NoMachine NX Client. Siehe Kapitel 21.

Knoppix hat in der kurzen Zeit des Bestehens einen Marktanteil von 25-35% bei Linux Desktops erreicht. Niemand zählt die Installationen freier Software, wie Knoppix, jedoch lassen die Häufigkeitsverteilung der Kommentare und Fragen in NEWSGROUPS eine solche Vermutung zu! Man vergleiche hierzu einfach in Google die Zahl der Treffer von "Knoppix 3.6" gegen "SuSE 9.2" und wundere sich! Über den Marktwert der Mini-Firma Knopper darf spekuliert werden ;-)

Eine weitere Alternative ist Kanotix Linux. Diese Distribution ist ähnlich, wie Knoppix von CD lauffähig, hält sich jedoch strikt an Debian mit seiner Unterteilung in "stable, unstable, testing", während Knoppix, um stets die neuesten Softwarepakete anbieten zu können, den Pfad der Tugend verlassen hat. Die Nachinstallation mit apt-get von Software aus den Archiven der Debian Distribution funktioniert nicht mehr. Dies war auch nicht nötig, da ja Knoppix eine Live-CD Distribution ist. Im Gegensatz zu Knoppix läßt sich Kanotix sauber in einer freien Partition installieren, und parallel zu Windows betreiben, da der Bootmanager Grub viele Betriebsysteme parallel booten kann.

Eine völlig neue (und gleichzeitig nicht neue, also ausgereifte!) Distribution ist "Ubuntu" Linux, siehe Ubuntu Homepage. Wunsch der Entwickler war es, eine Debian Distribution herauszubringen, die ca. 1/2 jahrlich stets mit der neuesten Benutzeroberfläche und Software eine stabile Distribution bildet, quasi als "Konkurrenz" zu Redhat, Mandrake, SuSE, die mit ständig neuen Ankündigungen die Kunden "neugierig" zu machen (Neugierde ist die Vorfreude auf Erkenntnis!). Ubuntu verwendet die neue Benutzeroberfläche GNOME 2.8 und Kernel 2.6, ist also auf dem aktuellen Stand. Ubuntu ist kostenlos und frei.

Etwas besonderes ist das Paket FAI, welches ein Rollout der Debian - Distribution vollautomatisch über PXE - Netzwerkkarten im LAN vorzunehmen. Hierbei können Linux Workstations zu tausenden vollautomatisch installiert werden: FAI (Fully Automatic Installation) Server aufsetzen, via PXE die Workstations booten, der Rest läuft von alleine. Die Workstation meldet sich dann nach 5-10 Minuten mit einem fertig installierten Linux Desktop. Mehr hierzu siehe FAI Fully Automatic Installation der UNI - Köln.

4.2.4. Mandrake Linux

Mandrake Linux ist eine vollständig unter GNU Lizenz veröffentlichte Distribution, die in Frankreich (Paris) beheimatet ist. Die franz. Staatsregierung hat am 9.7.2004 beschlossen, zunächst 1500 von ca. 100.000 Workstations in ganz Frankreich auf Mandrake Linux umzustellen. Mandrake Linux basierte ehemals auf Redhat, ist aber viel weiter entwickelt, mit einer eigenen, recht vollständigen GUI zur Administration ausgestattet (DrakConf), ähnlich YaST2. Mandrake Linux gibt es für viele Plattformen, darunter auch für Apple MAC, IBM, SPARC, ALPHA. Mandake bietet mit Multi Network Firewall (MNF2) eine herausragende Firewall mit GUI, die kommerziellen Lösungen ebenbürtig ist, und eine Cluster - Lösung. Die aktuelle Mandrake Distribution 10.1 ist Einsteigern besonders zu empfehlen, auch Usern, die eine Linux Distribution als Ersatz für MAC OS X suchen. Man findet sie kostenlos zum Download im Netz, wenn man auf den Button klickt, auf welchem steht: "Ich bin bereits Mitglied des Klubs oder werde es bald sein, bitte schicken Sie mich jetzt auf die Download-Seite": http://www.mandrakelinux.com/de/ftp.php3. Das deutschsprachige Mandrake - Supportforum findet sich hier: Mandrakeuser.de

4.2.5. Gentoo Linux

Gentoo Linux ist eine in jeder Hinsicht besondere Distribution. Gentoo bietet Distributionen für AMD64, x86, Sparc32/64, PPC/64, OS/390, HPPA, ARM. Sie glänzt durch beste, kostenlose Dokumentation in deutsch, eine hervorragende Sammlung von Paketen, die ähnlich den "ports collections" von BSD UNIX funktionieren. Alle Pakete, die installiert werden, werden für den jeweiligen Prozessor bei der Installation schon neu kompiliert. Was soll das? Nun - bei dem Compilerlauf eines jeden Paketes kann man mit der Option "./configure --help ... --PREFIX=/chroot/..." das Basisverzeichnis eines Paketes verändern. So ist es z.B. möglich, sicherheitsrelevante Serverdienste, wie z.B. xinetd, inetd, httpd, pop3d, imap4d, ftpd ... in eine sog. chroot Umgebung zu verlagern. chroot ist eine Errungenschaft in UNIX, die unter NT schmerzlich fehlt, mit welcher man für einen Dienst das höchste, erreichbare Verzeichnis, also "/" in ein beliebiges Unterverzeichnis verschieben kann, typischerweise "/chroot/home/httpd/" ... Wenn ein Hacker oder ein trojanisches Pferd in den Server einbricht, so kann dieser höchstens im Unterverzeichnis "/chroot/home/httpd/" und abwärts sein Unwesen treiben. Siehe auch Abschnitt 13.7. Erfahrungsgemäß verschwinden fast alle Hacker von alleine, wenn sie bemerken, daß sie nach einem erfolgreichen Einbruch in der CHROOT - Umgebung gefangen sind. Sicherlich kann man mit Tricks dort ausbrechen, sofern der Kernel gegen solche Angriffe nicht besonders geschützt wurde, siehe: www.penwall.com. Weder SuSE noch Redhat haben in ihren Server - Distributionen diese Patches angewandt. Entsprechend oft habe ich es persönlich erlebt, daß in Server eingebrochen wurde, zig male. Ganze Server - Phalanxen mit Redhat und SuSE Linux Server sind betroffen gewesen. Gentoo Linux ist eine gute Mischung aus Bedienbarkeit und Sicherheit, die natürlich nicht so weitreichend ist, wie die der Distribution Abschnitt 4.2.6, oder des Kernel-Patches Abschnitt 13.6.2, der für alle Distributionen, also auch SuSE, Redhat, Debian, Gentoo, ... existiert. (Man beachte den Unterschied zwischen der SELinux Distribution und dem SELinux Patch). Das Hardened Gentoo Project ist die konsequente Umsetzung der "Mandantory Access Control". Hierbei wird für jeden Prozess mit Hilfe von Regeln genau festgelegt, auf welche Verzeichnisse/Dateien dieser lesend/schreibend zugreifen, welche Ports er verwenden darf, u.s.w. Patches gegen Buffer Overflows sind enthalten. Diese Patches sind nun alle ab Kernel 2.6 in allen Distributionen verfügbar, Gentoo ist nach SELinux und Fedora3 eine der ersten Distributionen, die dieses Feature serienmäßig anbieten.

4.2.6. Admantix (Trusted Debian)

Redhat

4.2.7. SE - Linux - Distribution (NSA)

SELinux Kernel Patch für Distributionen Darf nicht verwechselt werden mit SELinux.org Distribution.

4.2.8. trustedlinux

Redhat

4.2.9. Carrier Grade Linux

Ist weniger eine Distribution, sondern eine Spezifikation von Eigenschaften als Echtzeit, Hochverügbarkeit, Cluster - Betriebsystem***** AEM.sf.net Carrier Grade Linux. Pannus - Linux Kernel Live Patching Abschnitt 17.5 Live Kernel Manipulation

4.2.10. Zertifizierte Linux - Distributionen und Hardware

Sog. "zertifizierte Distributionen", wie SLES8/9, RedHat Enterprise Linux 2.1/3.0 zeichnen sich durch besondere Eigenschaften aus. Es sind Distributionen, deren Kernel, Libraries, Softwareversionen für lange Zeit konstant gehalten werden, außer für Sicherheits - Korrekturen und Fehler (Errata) in der Software. Hersteller von kommerzieller Software haben großes Interesse daran, eine "stabile" Entwicklungsplattform zu haben, auf welcher sie in Ruhe die fehlerfreie Lauffähigkeit ihrer Software austesten können. So haben alle Hersteller "zertifizierter" Distributionen eine Kooperation mit z.B. den führenden Datenbankherstellern, wie Oracle, IBM (DB2, Informix), ... wobei typische Hardware für Datenbankserver (RAID) in Verbindung mit der Datenbanksoftware, Libraries und Kernel-Versionen getestet werden. Die Unart von Novell/SuSE z.B. ist es die Kernel-Patches "geheim" zu halten, und Patches/Updates für Fehlerkorrekturen oder dringende Sicherheits - Patches nur gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen. Bei RedHat/Fedora ist dies transparent , siehe Redhat FTP-Server. Distributoren lassen sich die teuren Tests auch teuer bezahlen. Für den Kunden bedeutet dies laut Hersteller der Hardware und den Distributoren:

Ausgereifte Systeme, die über lange Zeit nur wenige Neuerungen beinhalteteten, wie SUN OS, SOLARIS, AIX, AS/400 (iSeries, zSeries), HP - UX, die auf wohldefinierter Hardware lief, machte dies viel Sinn. Nur - bei Linux nicht. Erstens läuft Linux auf sehr viel unterschiedlicher Hardware zuverlässig, aber es gibt noch einen anderen Grund - Linux Kernel 2.4.0 hat so viele Dezifixe, daß man unbedingt auf Linux Kernel 2.6 umsteigen sollte, z.B. schon alleine aus Gründen der Performance bei Fileserver und Datenbanken, z.B. siehe Kapitel 7 und Kapitel 11.

Diese Denkweise insgesamt stammt auch noch aus einer Zeit, wo Hardware sehr teuer war, die Betriebssysteme nur wenige Hardware mit Treibern unterstützten, wegen der vergleichweise geringen Prozessorgeschwindigkeit I/O Subsysteme mit eigenen Sub-Prozessoren die CPU entlasteten, die Beschaffung eines speziellen Computer - Bauteiles ohne Wartungsvertrag oft Tage oder Wochen dauerte. Nun, die Zeiten haben sich geändert. Früher lehrte der Großvater seine Enkel noch, wie man Fahrräder repariert, heutzutage lehren Enkel die Großväter, wie man Computer, Fernbedienungen und Spiele-Boxen bedient und programmiert. Wir leben in einer schnellebigen Zeit. Nichts ist so, wie es früher einmal war, höchstens noch in unserer Erinnerung. Dasselbe gilt auch für moderne Backup-Methoden, siehe Kapitel 15.

Heutzutage ist die Beschaffung eines Ersatzteiles oder ganzen Computers eine Sache von 1 Stunde, die Prozessoren, Festplatten und Netzwerkkarte eines Aldi - Rechners liegt von der Geschwindigkeit her jenseits dessen, was vor 5 Jahren noch ein "Mainframe" oder "Big Iron" mit RAID - Sub-System darstellte. (3 GHz Athlon, 50 MByte/Sekunde Festplatten I/O, GBit Netzwerkkarte). Die Kids wollen halt schnelle Prozessoren und Platten, um DVD schneller zu "rippen" (auf SVCD zu brennen, wochenlang, Tag - und Nacht!) - Dies bedeutet für CPU und Festplatte Schwerstarbeit, teilweise im Dauerbetrieb. Festplatten für Workstations sind inzwischen ebenso haltbar, wie Festplatten für Server. Wären sie es nicht, hätte Medion (Aldi) arge Probleme mit der Garantieleistung von 3 Jahren.

Produktionsstraßen in Taiwan liefern halt Elektronikbauteile, Festplatten, RAM, ... in konstant höchster Qualität, die teuere "Selektierung" der RAM - Bausteine z.B. kann ganz entfallen. Cluster Technik, siehe Kapitel 10 ist unter Linux kostenlose Software, im Kernel von Linux bereits serienmäßig enthalten, ebenso, wie "Software - Raid", siehe Abschnitt 10.9.1. Es gibt keinen Grund mehr, warum man anstelle eines teuren 2500+ Euro Servers nicht 2x 300 Euro billige Aldi - Rechner aufstellen sollte. Die Zuverlässigkeit eines Clusters aus Aldi - Rechnern ist höher, als eines 10.000 Euro Serversystems von HP/Compaq, DELL oder IBM. Load - Balancing ist in Linux inbegriffen, ebenso, wie Replikations-Mechanismen auf Filesystem - Ebene und für Datenbanken, siehe Kapitel 10, oder Abschnitt 11.21

Angesichts dessen, daß schnelle AT-BUS RAID - Systeme verfügbar sind (Promise und 3ware sind sehr zu empfehlen), und die Festplatte für AT-BUS (ATA, SATA, UATA) und für SCSI aus derselben Produktionsstraße stammen, nur andere Elektronik auf der Platine haben, spielt es kaum noch eine Rolle, welche Technik man einsetzt. Closed Source - Treiber, die nicht serienmäßig im Linux Kernel enthalten sind, haben ein Problem. Bei evtl. wichtigen Kernel Updates und Versionsänderungen, z.B. von Kernel 2.4 auf 2.6 kann man die Closed Source - Treiber nicht mehr verwenden, man muß hoffen, daß der Hersteller der Hardware noch existiert, und Treiber Support zu vernünftigen Preisen anbietet. Treiber von Linux 2.4 laufen auch in Linux 2.6 ... sofern man den Quellcode hat. So kann man neue Kernel - Features nutzen, ohne neue Hardware kaufen zu müssen. Dies bedeutet, daß man keine Hardware kaufen sollte, deren Treiber nicht im serienmäßigen Linux - Kernel enthalten sind.

Die Praxis hat gezeigt, daß Redhat Enterprise Server 2.1/3.0 bzw. der kostenlose Clone cAos Server und SuSE SLES 8/9 sich nur in wenigen Punkten von der serienmäßigen Distribution Workstation Redhat 7.1/8.0 und SuSE 8.0/9.0 unterscheiden. So z.B. beim Anschluß an SAN mit Multipath I/O über gebündelte Netzwerkkarten und spezielle, seltene RAID-Controller. Die notwendigen Patches und Hinweise findet man in Google/Groups, sodaß man sich die Kernel-Patches selber einspielen kann. Siehe Abschnitt 14.3. Herausgeschmissenes Geld also. Tips zur Auswahl von Hardware findet sich auf der Homepage jedes Linux - Distributors. Siehe Abschnitt 3.8.