Backup - Techniken haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Immer wieder greifen die Entscheider auf Lösungen zurück, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Daran ist zunächst nichts falsch oder ungewöhnlich, jedoch haben sich durch fortgeschrittene Software - Technik und Servertechnik einige Dinge geändert. Betrachten wir einmal die impliziten Logiken der normalen Tape Backup Technik, die inzwischen Jahrzehnte alt ist:
Tapes waren früher relativ gesehen zu den Festplatten sehr billig.
Tapes sind leicht transportabel und auch in großen Mengen in feuersicheren Tresoren sicher aufzubewahren.
Tape - Backup - Software verwendet das Archiv - Bit des Filesystems (unter Linux ist es das Programm dump, welches diejenigen Files zurückmeldet, die sich verändert haben. Viele Backup - Programme nutzen aber auch die Fileattribute atime, ctime, mtime. Die Tape - Software muß das Festplattensystem komplett scannen, um diejenigen Dateien herauszufiltern, die bei einem differenziellen Backup gesichert werden müssen.
Tapes sind sehr langsam, im Vergleich zu Festplatten selber.
Datenvolumina dehnen sich immer so weit aus, wie Platz zur Verfügung steht.
Festplatten erreichen eine riesige Kapazität, es werden bei einem FULL BACKUP oft sehr viele Tapes benötigt.
Restore - Vorgänge nach einem Platten-Crash dauern oft sehr lange, manchmal Tage, je nachdem wie lange das Full Backup zurückliegt.
Ist die Hardware nach einem Defekt nicht wiederbeschaffbar, so ist z.B. unter Windows NT ein einfaches Restore nicht möglich, weil Registry - Sicherung und Hardware miteinander harmonieren müssen, ansonsten gibt es einen Bluescreen. In diesem Falle müssen mühevoll sämtliche Softwarepakete neu installiert und konfiguriert werden, was oft Tage in Anspruch nimmt, in denen der Server ausfällt. Unzählige NT File - und SQL - Server sind oft ohne Wissen der Entscheider davon betroffen, da diese Situationen nie trainiert bzw. evaluiert werden.
Sicherung von der Datenbank im SQL - Server im laufenden Betrieb (hot backup) muß sehr schnell erfolgen, da während des Backups die Datenbank inkonsistent wird, siehe Abschnitt 11.1. Daher wird oft ein Dump auf die Festplatte (Snapshot + Transaktionslogs) geschrieben, welcher vom Backup-Programm nachts mit gesichert wird.
DAT / DLT - Streamer sind Verschleißteile und teuer.
Backups auf Tape können nur nach Dienstschluß erfolgen, wenn keine offene Dateien bzw. SQL - Server mehr in Gebrauch sind, je nach Technik.
Ob eine ausgetauschte Hardware nach einem Defekt überhaupt zu dem letzten FULL BACKUP kompatibel ist, ist fraglich. Meistens stürzt beim Booten der Rechner ab, weil z.B. Registry - Einträge für RAID nicht passend zur Hardware sind.
Inzwischen erreichen serienmäßige Festplatten eine Kapazität von 500 GByte, und der Preis für eine 200 GByte Wechsel - Festplatte liegt bei ca. 100 Euro.
Wechselplatten - Chassis kosten 20 Euro.
Ein Fileserver mit VIA Motherboard, Gehäuse und 200 GByte Festplatte kostet zusammen 200 Euro.
DAT oder DLT - Tapes mit hoher Kapazität kosten soviel wie eine Wechsel - Platte mit einer Kapazität von 200 GByte.
DAT oder DLT - Streamer sind sehr teuer, insbesondere Tape - Wechsler
Cluster - Software für Fileserver - Replikation ist kostenlos, siehe Kapitel 10.
Software für Datenbank - Replikation ist kostenlos, siehe Abschnitt 11.3. SQL - Datenbanken unterstützen inzwischen alle hot backup, im Gegensatz zu früher.
Modernere Filesysteme verwenden Abschnitt 7.23 und POSIX ACLs, was dazu führt, daß Backup - Software evtl. die Metadaten des Filesystems nicht mitsichert, so z.B. bei Solaris und Linux mit POSIX ACLs, siehe Abschnitt 13.2. Backup - Software für Tapes ist nicht mehr auf dem Stand der Zeit.
Die Gesetze zur Archivierung von Geschäftsprozessen gelten auch für E-Mails, welche über einen Zeitraum von 10 Jahren rückliegend archiviert werden müssen. Eine riesige Flut von Tapes türmt sich hierbei auf, wenn nicht rechtzeitig ordentlich sortiert und regelmäßig entmüllt, sprich Datenpflege betrieben wird. Hierfür fühlen sich weder Administratoren noch Mitarbeiter zuständig.
Langzeit - archivierte Tapes sind oft nach wenigen Jahren nicht mehr lesbar. Mangels Zeit werden die Tapes auch nicht zurückgesichert und erneuert, bzw. es findet keine Überprüfung der Lesbarkeit statt.
Die meisten Filesysteme sind völlig zugemüllt, es gibt keine mehrstufige Archivierung. Eine Sortierung nach Dateien, die lange schon nicht mehr gebraucht worden sind, findet mangels geeigneter Werkzeuge nicht statt.
Es existiert keine Datenbank, die Inhalte von Dokumenten Fulltext - Indiziert hat, sodaß innerhalb weniger Sekunden alle Dokumente zu einem Vorgang wiedergefunden werden können.
Mehrstufige Archivierung mit Hilfe von NAS (Network Attached Storage) kostet auf dem kommerziellen Markt sehr viel Geld, ebenso, wie Dokumentenarchivierungssysteme, die Vorgänge projektbezogen ablegen, also Mails, Daten, Workflow zusammen speichern. Mehr hierzu siehe Abschnitt 15.3, Abschnitt 18.4, Kapitel 12.
Die Datenmengen sind in vielen Unternehmen explodiert, weil der gesamte Workflow extern und auch intern via Mail abgewickelt wird. Sehr viele Dokumente liegen als Attachments in den Mail - Ordnern, nicht auf dem Fileserver geordnet abgelegt, und verschlagwortet.
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